A common myth around awakening - ein allgemeiner Mythos über das Erwachen (Angelo Dilullo)

One of the most common myths around awakening is the belief that it will erase pain, heal all wounds, or make difficult emotions disappear. But awakening doesn’t remove trauma. Instead, it gives it nowhere to hide.

In reality, the opposite may happen. As patterns of suppression, avoidance, and identity begin to loosen, unresolved conditioning may surface more clearly and intensely.

Not because anything has gone wrong, but because there is less in the system left to push it away.

Before this shift, there is usually a subtle but constant movement away from direct experience:
• thinking about emotions instead of fully feeling them
• managing fear instead of meeting it directly
• escaping shame through distraction or thought
• building identity structures as a buffer to feel safe from what is happening

But when the sense of a separate “me” begins to soften, experience is no longer filtered or buffered in the same way.

Fear is simply full on fear. Grief is simply full on grief. Sadness, anger, vulnerability, joy — everything is experienced much more directly.

At first, this can feel overwhelming. Because the sense of a separate self is largely built on maintaining distance from experience.

But awakening is not the removal of feeling. It is the removal of the illusion that there is someone separate from what is being felt.

This is why it feels paradoxical: experience can be intensely alive and completely spacious at the same time — raw, and yet deeply peaceful.

From this perspective, shadow work can be understood as the reversal of dissociation — the gradual willingness to stop avoiding all human experience and instead meet it directly, without escape.

Einer der häufigsten Mythen über Erwachen ist die Vorstellung, dass es Schmerz auflöst, alle Wunden heilt oder schwierige Emotionen einfach verschwinden lässt. Erwachen entfernt kein Trauma. Es gibt ihm nur keinen Ort mehr, sich zu verstecken.

In Wirklichkeit kann also das Gegenteil geschehen. Wenn Muster von Unterdrückung, Vermeidung und Identifikation sich zu lockern beginnen, können unaufgelöste Konditionierungen klarer und intensiver an die Oberfläche kommen.

Nicht, weil etwas schiefgelaufen ist, sondern weil im System weniger vorhanden ist, was es wegdrücken kann.

Vor diesem Wandel gibt es meist eine subtile, aber konstante Bewegung weg von direkter Erfahrung:
• über Emotionen nachdenken statt sie vollständig zu fühlen
• Angst kontrollieren/managen statt ihr direkt zu begegnen
• Scham durch Ablenkung oder Gedanken vermeiden
• Identitätsstrukturen als Puffer aufbauen, um sich vor dem zu schützen, was gerade ist

Wenn sich jedoch das Gefühl eines getrennten „Ichs“ zu lösen beginnt, wird Erfahrung nicht mehr auf dieselbe Weise gefiltert oder abgepuffert.

Angst ist dann einfach volle Angst.
Trauer ist einfach volle Trauer.
Traurigkeit, Wut, Verletzlichkeit, Freude — alles wird viel direkter erlebt.

Am Anfang kann das überwältigend sein, weil das Gefühl eines separaten Selbst stark davon lebt, Abstand zur Erfahrung zu halten.

Doch Erwachen ist nicht das Verschwinden von Gefühlen. Es ist das Verschwinden der Illusion, dass da jemand ist, der getrennt von dem ist, was gefühlt wird.

Darum wirkt es paradox: Erfahrung kann gleichzeitig intensiv lebendig und völlig weit sein — roh und zugleich tief friedlich.

Aus dieser Sicht kann Schattenarbeit als Umkehrung von Dissoziation verstanden werden — als schrittweises Aufhören, menschliche Erfahrung zu vermeiden, und als Bereitschaft, ihr direkt zu begegnen, ohne Flucht.

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